Montag, 9. Juni 2014

Kurzrezension: Anaïs Nin / Tagebücher 1920-1921

Nur eine kurze Rezension, eher eine spontane Meinung, zum Buch. Gedanken eben, die mir nach dem Lesen im Kopf herumspukten.

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Was gibt es nun zu sagen nach der Lektüre ihrer frühen Tagebücher, die sich etwa über 1 Jahr (1920-1921) erstrecken?

Da ist zunächst einmal ihre Fähigkeit der Selbstreflexion, die man sicher nur bei wenigen Menschen bereits im Alter von 17/18 Jahren findet, wenn überhaupt jemals und mir daher als bewundernswert erscheint. Und auch ihre Begabung, Beobachtungen oder alltägliche Situationen in teils nahezu poetisch anmutende Worte zu kleiden, sodass jede noch so simple Begebenheit besonders und einzigartig scheint, ist erwähnenswert und sicher ein Grund für die Besonderheit ihrer Tagebücher.

Allerdings habe ich doch recht lange gebraucht, um ihre Aufzeichnungen bzw. die 366 Seiten derselben zu lesen, da sie nicht sehr flüssig schreibt. Anaïs Nin beschreibt ihren Schreibstil selbst als "weitschweifig" und leider habe ich oft ein Problem mit dieser Art Stil. Knappe, auf den Punkt gebrachte Texte, sprechen mich in der Regel mehr an. Manche Passagen - vor allem ihre Schwärmereien ihren Cousin Eduardo betreffend - empfand ich irgendwann als furchtbar zäh, sich ständig wiederholend und auch etwas nervend.

Stets beteuert sie, ihre Zuneigung (sie schreibt Liebe) zu Eduardo sei nur von freundschaftlicher Natur, doch gibt es meiner Ansicht nach zahlreiche Indizien, die beweisen, dass es sich von ihrer Seite aus nicht nur um Freundschaft handelt, obwohl sich darüber wohl jeder selbst ein Urteil bilden sollte. Zugegeben etwas, das mich vor allem deshalb störte, weil sie es immer wieder in endlosen Tagebucheinträgen abstreitet, damit aber in meinen Augen zugleich das Gegenteil beweist. Leider ziehen sich diese Einträge durch das gesamte Buch und zum Ende hin fiel es mir schwer sie nicht zu überfliegen/überspringen.

Unter dem Gesichtspunkt, dass es sich um die Schriften einer sehr jungen Frau, fast noch einem Mädchen, handelt, sollte man bestimmte Dinge betreffend wohl nachsichtig mit dem Inhalt sein. Grundsätzlich fand ich ihre Erzählungen interessant, wunderbar geschrieben (wenn auch nicht so flüssig, wie mir lieb wäre) und ich hoffe in den späteren Tagebüchern (ab 1931) einen etwas gereifteren Stil vorzufinden, wenn ich mich den folgenden 4 Bänden zuwende.


★★★☆☆

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