Mittwoch, 17. Februar 2016

Rezension: The Art of being Normal / Lisa Williamson

Titel: The Art of being Normal
Autorin: Lisa Williamson
Genre: Young Adult, LGBT, Contemporary
Verlag: David Fickling Books
Seitenzahl: ~ 368
Sprache: Englisch

Inhalt
Zwei Jungs und zwei Geheimnisse. David ist schon lange ein Außenseiter an seiner Schule und regelmäßig Opfer von Mobbing. Nur seine beiden besten Freunde Felix und Essie kennen sein größtes Geheimnis: Er möchte ein Mädchen sein. Leo ist neu an der Schule und möchte möglichst nicht auffallen, doch irgendwie schafft er es unabsichtlich die Aufmerksamkeit der hübschen Alicia aus seinem Jahrgang auf sich zu ziehen. Als David in der Caféteria auf grausame Weise gequält wird, schreitet Leo ein und zwischen den beiden entsteht eine zögerliche Freundschaft.


Meinung
Zu diesem Buch hatte ich viele positive Meinungen gelesen und gerade weil es ein Thema behandelt, das man (leider) nicht sehr häufig antrifft, war ich sehr gespannt auf die Umsetzung.

Man weiß als Leser von Anfang an, dass David gerne ein Mädchen sein möchte. In seinem Körper fühlte er sich nie wohl und er ist sich schon seit langer Zeit sicher, wer er sein will. Doch es kostet eine Menge Überwindung seinen Eltern von seinem Wunsch zu erzählen. Immer wieder bieten sich Gelegenheiten oder er ist kurz davor, aber seine Ängste halten ihn jedes Mal zurück. Nur seine beiden Freunde wissen bescheid und er ist oft unglücklich deswegen.

Trotzdem schafft er es, sich seine Lebensfreude zu bewahren. Er ist stets bereit in anderen das Gute zu sehen und hat eine positive Einstellung. Für Leo, der eher ein abweisendes Verhalten an den Tag legt und keine Freundschaften sucht, kommt die Begegnung mit David und dessen fröhlicher Ausstrahlung unerwartet. Obwohl er versucht ihn auf Distanz zu halten, kommt er nicht so recht dagegen an und die beiden werden schließlich langsam Freunde.

Letztlich hilft diese Freundschaft beiden mit ihrem jeweiligen Geheimnis anders umzugehen und aus ihrem Schneckenhaus herauszukommen.

Die Autorin hat einen sehr flüssigen Stil und ich konnte leicht in das Buch eintauchen. Die Handlung wird abwechselnd aus Davids und aus Leos Sicht erzählt und löste bei mir eine Vielzahl an Emotionen aus. Von herzhaftem Lachen bis hin zu mitfühlenden Tränen war alles dabei.

Ich kann nicht sagen, dass ich persönlich viel mit Transgender in Kontakt gekommen wäre und kann daher nicht eindeutig beurteilen, wie authentisch The Art of being Normal ist, aber ich hatte immer das Gefühl, dass die Gefühle und Erfahrungen der Figuren authentisch vermittelt wurden. Da die Autorin sich für Teenager der LGBT-Gemeinschaft engagiert und das Buch auf Erfahrungen beruht, die sie im Zuge dessen gemacht hat, denke ich, sie hat durchaus ein realistisches Bild geschaffen.

Bei Goodreads schrieb ein Rezensent, er finde Transgender wäre hier nur sehr einseitig repräsentiert. Dem muss ich in sofern widersprechen, dass auf weniger als 400 Seiten nunmal nicht alle Facetten des Themas abgehandelt werden können. Die Autorin hat einen Bereich dargestellt und vermittelt zwar bestimmte Hintergrundinformationen, aber im Vordergrund steht nicht die Aufklärung, sondern die Geschichte um David, seine Emotionen und Entwicklung. Ich denke Lisa Williamson war es ein Anliegen für den Leser greifbarer zu machen, wie das Leben von jemandem wie David aussehen kann.

Fazit
Ich habe auch ein paar kleine Kritikpunkte. Zum Beispiel fand ich, dass Leos Geschichte Davids irgendwann etwas verdrängte und hätte mir gewünscht, die Autorin hätte nicht bis kurz vor Ende des Buches gewartet um David als Mädchen mehr Raum zu gewähren. Nichtsdestotrotz habe ich mich durchweg wunderbar unterhalten gefühlt und mit den Figuren gelitten und gelacht.  Lisa Williamsons The Art of being Normal gibt einen Eindruck davon, vor welchen Herausforderungen man als Transgender steht. Leute in einer ähnlichen Situation wie David, können sicher etwas Positives aus der Geschichte mitnehmen und über das Happy End habe ich mich sehr gefreut, denn ein hoffnungsvolles Ende ist für mich bei der Thematik besonders wichtig - 4 Sterne!

★★★★☆



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